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Grundschule in der Coronazeit

Erst der Shutdown im Frühjahr diesen Jahres, dann die schrittweise Öffnung der Schulen bis zu den Sommerferien. Eltern und Schüler waren über diese Zeit mit  Homeschooling konfrontiert und der Unterricht fiel über weite Strecken aus. Nach den Ferien Maskenpflicht und Präsenzunterricht unter Einhaltung von Hygienekonzepten.

Von heute auf morgen wurden alle Beteiligten des Schulsystems  in eine Situation des selbsttätigen Lernens katapultiert. In einem vollkommen veränderten Alltag sorgen  sich betroffene Eltern, dass rechenschwache Kinder während und nach der Coronazeit weiter ins Hintertreffen geraten. Gestresst saßen die Kinder vor den zugeschickten oder eingescannten Arbeitsblättern mit schriftlichen Anweisungen und Eltern mussten sich als Hilfslehrer betätigen. Gleichzeitig jonglierten viele Eltern zwischen Homeoffice und Homeschooling und gerieten selbst an Grenzen der eigenen Belastung. Die Corona-Zeit wirkt sich nachteilig für die Schüler aus, die schon zuvor Probleme in Mathematik hatten und in Ermangelung von internetfähigen Geräten und Lernplattformen gravierende Lernlücken nicht aufholen können. Die angebotenen Ferienkurse sind nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Anders als in anderen Fächern gibt es  in der Mathematik einen stetigen Aufbau von Grundlagen. Fehlt das stabile Fundament, werden schlechte Noten zum Dauerzustand.

Das Schuljahr 2019/2020 ist gefühlt zu Ende und das bereits seit März, als die Schulen bundesweit geschlossen wurden. Gab es schon vor Corona  Missstände an den Schulen, so treten sie in der Krise  besonders deutlich zutage. Die Personaldecke, insbesondere an Lehrkräften wird noch dünner, weil es unter den einsatzfähigen Lehrern Risikogruppen gibt, die vom Unterricht teilweise freigestellt sind. Lehrkräfte sind bis zum Sommer vorerst beschäftigt, Hygienemängel in den Schulen zu beheben, Abstandsregelungen herzustellen/zu überwachen/neue Pläne aufzustellen, Präsenzunterricht zu erteilen und das Homeschooling umzusetzen.

Lehrer/Eltern und Schüler  waren in Ermangelung eines zeitlichen Vorlaufs nicht auf digitales Lernen vorbereitet und wurden ins kalte Wasser geworfen. Gerade an vielen Grundschulen war die Digitalisierung wenig vorangeschritten oder war schlichtweg gar nicht existent. Gerade letztere trifft es jetzt besonders hart. Größtenteils verschicken die Grundschullehrer jetzt gescannte Schulbuchseiten per EMail, verweisen auf kurze Videos, treten per Whats-App mit Schülern in Kontakt oder verschicken Hausaufgaben noch mit der Post. Die Bewertung der Eltern ist sehr unterschiedlich. Gerade Eltern, die mit der Hausaufgabenbetreuung schon vor der Krise Probleme hatten, fühlen sich meist im Stich gelassen.

Zwar ist eine enorme Dynamik in der Digitalisierung  zu beobachten, jedoch fehlt es an einem  übergreifenden Konzept und professionellen Lernplattformen, die auf die Schnelle nicht zu realisieren sind. Flächendeckendes WLAN in Rheinland-Pfalz –  immer noch  Fehlanzeige. Längst nicht alle Schulen und Schüler verfügen über die notwendige technische Ausstattung Tablet/Laptop/Drucker, was sich zukünftig unmittelbar auf die Chancengleichheit im Bildungssystem auswirken wird, beklagt der VBE.  Jede Schule handhabt die Vermittlung von Lerninhalten anders und die  Aufgabenvermittlung bleibt kontraproduktiv für diejenigen Schüler/innen, denen es schon vorher an Motivation im Fach Mathematik  mangelte, die gleichzeitig zuhause  die schriftlichen Ausführungen zu den Aufgaben gemeinsam mit den Eltern „studieren“ sollen und nicht wissen, wie das ohne Unterricht gehen soll.

Gerade Grundschüler sind auf die Unterstützung der Eltern bei den Hausaufgaben oder in Ganztagsbetreuung  angewiesen. Der Ganztagsbetreuung muss ebenso wegen  Abstandsregelungen umorganisiert werden, so dass analog zum Schulunterricht auch Personalengpässe zu erwarten sind. Berufstätige Frauen, die bislang ihre Kinder in der Schule betreut wussten, müssen  die Hausaufgabenbetreuung ganz nebenbei zuhause auch noch managen.

Wenn Unterricht über Monate nur sehr eingeschränkt stattfindet, Homeschooling nicht zufriedenstellend funktioniert , kann vom Erwerb mathematischer Kompetenzen nicht mehr die Rede sein. Bereits die letzte Pisa- Studie kam zu dem Ergebnis, dass es um die mathematischen Fertigkeiten der deutschen Schüler/innen im Vergleich zu anderen Ländern  nicht so gut bestellt ist. So ist die Gefahr groß, dass rechenschwache Schüler/innen während und nach der Pandemie noch weiter zurückfallen und alle bekannten Folgen bzw. späteren Nachteile  noch deutlicher in Erscheinung treten.